Steinbach am Wald/Windheim. Was am Samstag in der Turnhalle in Windheim an Livemusik geboten war hatte schon fast Festivalcharakter. Von überall sind die zahlreichen Gäste gekommen um gleich drei Musikformationen live zu erleben und deren Klänge zu lauschen. Schon beim Eintreten in die Halle fiel auf, mit wieviel Liebe und Herzblut alles hergerichtet und dekoriert war. Blumenschmuck, Hopfendolden, Fahnen, Weinkisten, Heuballen und noch vieles mehr. Das kann nur ein besonderer Abend werden. Pünktlich um 18.00 Uhr eröffneten die Veranstalter, der Musikverein Büddl Express e.V. den Blasmusikabend. Beim erklingen des Konzertmarsches „Postfaktisch Est“ konnte man Sprichwörtliche eine Stecknadel fallen hören, so konzentriert war das Publikum in der vollbesetzen Halle dabei. Bei der anschließenden Begrüßungsrede vom Vorsitzenden Sebastian Neubauer war das Eis gleich gebrochen, da er seine Rede im schönsten Windheimer Dialekt vortrug. Sein besonderer Gruß galt dabei dem Bürgermeister Thomas Löffler, sowie den Bezirksvorsitzenden und Vizepräsidenten Thomas Kolb vom Nordbayerischen Musikbund. Kolb lobte in seinem Grußwort den Büddl Express, als „jüngstes Kind“ im Musikbund, die aber auf höchstem Niveau musizieren und immer wieder bei Wertungsspielen des Verbandes mit ausgezeichnetem Erfolg abschneiden.
Nach der schmissigen Polka „Freud und Leid“ erklang der Walzer „Seite an Seite“, wo die Klarinetten so richtig imponieren konnten, bevor die Flügelhörner ihren Part übernahmen. Bei der anschließenden „Weinkeller-Polka“ traten natürlich die Tenoristen Andy und Florian Neubauer besonders hervor, die mit dem Baritonisten Max Neubauer, Katharina Neubauer und Thomas Gräbner als Vierstimmiger Satz intonierten. Als Polka des Jahres wird die „Spritzregen-Polka“ bezeichnet, bei der manch Musiker sogar einen Regenhut aufgesetzt hat um nicht nass zu werden. Gebannt verfolgten die Zuhörer den Titel „Zwei Weggefährten“. Diese anspruchsvolle Solonummer wurde vom Dirigenten Lukas Neubauer und seinen Bruder Florian Neubauer bravourös gemeistert, dass selbst die Musikkameraden auf der Bühne aus Respekt vor dieser Leistung applautierten. Insgesamt war sich das Publikum schon nach wenigen Titeln sicher, dass es sich gelohnt hat, diesen Blasmusikabend 2.0 zu besuchen. Als dann noch Stücke wie „Am Robischkirtag“ oder die „Stremtal-Polka“ folgten, merkte man förmlich die Blasmusikbegeisterung der Gäste. Das Zuhören und Mitklatschen wechselte beim Publikum ständig ab. Beim „Klassiker“, der „Löffel-Polka“ spielte Schlagzeuger Max Porzel auf zwei Suppenlöffeln ein akkurates Löffelsolo. Da er solistisch gebunden war, holte man sich einfach einen Schlagzeugspieler aus dem Publikum, da ja genügend aktive Musiker anwesend waren. Wie schnell zwei Stunden bei schöner Blasmusik vergehen, merkte man erst, als der Büddl Express sich mit dem Stück „Wir sind Wir“ verabschiedete. Natürlich kam Dirigent Lukas Neubauer nicht um eine Zugabe beim begeisterten Publikum herum und zelebrierte deshalb noch das Lieblingsstück seiner Mutter „Unser Bänkchen“. Nach einer kurzen Umbauphase folgte der zweite Streich und die sieben spielfreudigen Musiker von „Philadelphia-Blech“ begannen schon in der Aula mit einem konzertanten „Prosit“, bevor sie festlich mit einem Marsch in die Halle einmarschierten. Als sie die Bühne erklommen haben und von Tontechniker Tobias Geißer professionell und schnell verkabelt wurden, rissen auch sie das Publikum, Titel um Titel mit. Die Mischung aus anspruchsvollen Blasmusikstücken und Gesangstiteln im Dialekt machte sie sofort Sympathisch und sie avancierten zum Publikumsliebling des Abends. Der „Königsjodler“ wurde geradezu zelebriert und der Jodler alla „Fredl Fesl“ krumm und krümmer gesungen, so dass das Publikum „jaulte“ vor Begeisterung. Selbst Weihnachtslieder wurden nicht verschont und teilweise skurril vorgetragen, samt Weihnachtsbaum und Pute. Besonders war, dass zwischen Basstrompete und Akkordeon gekonnt gewechselt wurde und so ein vielfältiger Klang in der Gruppe entstand. Eben doch mehr, als nur Käse. Nach weiteren zwei Stunden bester Unterhaltung folgte die Spitzenformation „Hochdruck-Böhmische“, auf die gerade die Kenner der Musikszene äußerst gespannt waren. Die sieben, meist studierte, Musiker um Jonas Bäumler (Posaune und Tenorhorn) konnten ab den ersten Ton beim „Marsch der Galaxien“ auf ganzer Linie überzeugen und viele Gäste hielt es nicht mehr auf den Plätzen, sondern sie wollten bis zur Bühne vor um von diesen Klangerlebnis, ja nichts zu verpassen. Die Eigenkomposition waren facettenreich und voller klanglicher Überraschungen und natürlich der Gruppe auf den Leib geschrieben. Gerade auch der Marsch „Marsa Alam“ von Jonas Bäumler zeigte die Klangbrillanz dieser Formation. Stücke wie „Bed of Roses“ oder „Angels“ wurden von den sechs Blechbläsern, wie selbstverständlich auf Trompete und Posaune gespielt. Beim Stück „Tubawahnsinn“ vorgetragen von Johannes Arnold auf seiner Tuba, staunten die Besucher dermaßen, dass sich niemand mehr traute, durch den Saal zu laufen und alle verharrten an ihren Plätzen. Sein Bruder Stefan gab ihn den nötigen Drive am Schlagzeug und so waren alle aus dem Häuschen, als der letzte Schlag der großen Trommel verklang. Bemerkenswert war auch, dass Lokalmatador Roman Steiger für den kurzfristig ausgefallenen Yannick Zwosta den Part an Bariton und Posaune bravourös übernahm. Bei Titeln von Queen, Abba usw. gab es letztlich kein Halten mehr und die Halle wurde zur Partymeile für alle Gäste. Neben den erstklassigen Musikangebot, gab es auch viele herzhafte Brotzeiten und Speisen die liebevoll angeboten und präsentiert wurden. Selbst Bioweine aus Mittelfranken wurden angeboten und fanden beim Publikum Anklang. Letztlich bedankte sich Vorstand Sebastian Neubauer bei allen Gästen nach über sechs Stunden bester Livemusik, mit dem Hinweis, dass der Büddl Express e.V. nächstes Jahr sein 10-jähriges Gründungsjubiläum mit einem Kreismusik entsprechend feiern will, welches vom 10.-12. September stattfinden wird.
Fotograf / Urheber Bilder:
Barbara Klug
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