Von der See, durch die antike Sagenwelt bis in die Großstadt

Mit zwei energiegeladenen Abschlusskonzerten in Aub und Bamberg begeisterte das Nordbayerische Jugendblasorchester sein Publikum.

Quelle: Julia Maget

Über 70 junge Musikerinnen und Musiker aus ganz Nordbayern und darüber hinaus erarbeiteten unter der künstlerischen Leitung von Franco Hänle während einer intensiven Probenwoche in Hammelburg das anspruchsvolle Konzertprogramm. Die beiden Abschlusskonzerte fanden am 19. September auf der Spitalbühne in Aub und am 20. September im Joseph-Keilberth-Saal in Bamberg statt.

Den Auftakt bildeten die „Sea Songs“ von Ralph Vaughan Williams. In diesem Werk verband der Komponist drei traditionelle englische Seemannslieder zu einer farbenreichen und schwungvollen Klangfolge. Prägnante Rhythmen und kraftvolle Tuttipassagen wechselten mit lyrischen, beinahe nachdenklichen Momenten. So entstand ein musikalisches Bild, das die Atmosphäre einer Seefahrt unmittelbar lebendig werden ließ.

Mit der Ouvertüre zu Richard Wagners „Der fliegende Holländer“ in der Transkription von Carlo Balmelli wurde die See anschließend von ihrer dramatischen Seite hörbar. Schon in den ersten Takten wurden die Naturgewalten des Meeres geradezu greifbar. Sturm und aufgewühlte Klangmassen trafen auf geheimnisvolle, schaurige Momente. Dem schaurigen „Holländer“-Motiv standen die sehnsuchtsvollen Klänge Sentas und das fröhliche Matrosenlied „Steuermann, lass die Wacht!“ gegenüber. So entstand ein eindrucksvolles musikalisches Bild von Sturm, Sehnsucht und Erlösung.

Ein großes Blasorchester musiziert in schwarzer schicker Kleidung auf einer Bühne vor Publikum.
Zwei Schlagzeuger in schwarzen schicken Anzügen schlagen energisch auf eine große Trommel und ein Tamtam.

Von Wagners nordischer Sagenwelt führte die musikalische Reise mit „Wine-Dark Sea“ von John Mackey noch weiter zurück in die Antike. Die dreisätzige Komposition griff Episoden aus Homers Odyssee auf und entfaltete dabei eine ausgesprochen farbenreiche und virtuose Klangsprache. Der erste Satz schilderte Odysseus’ Triumph und den anschließenden Zorn der Götter. Eine stetige musikalische Steigerung führte von spannungsvollen Passagen zu einer dramatischen Klangwelt, die in der Zerstörung von Odysseus’ Schiff durch Zeus gipfelte. Anschließend zog sich die Musik zurück und ließ die Einsamkeit des Überlebenden eindringlich hervortreten. Der zweite Satz stellte die Begegnung mit der Nymphe Kalypso und Odysseus’ Sehnsucht nach der Heimat in den Mittelpunkt. Schwebende Harfenklänge und solistische Passagen verliehen dem Satz eine ruhige, träumerische Atmosphäre und sorgten für einen starken Kontrast zur dramatischen Eröffnung. Im dritten Satz führte die Reise Odysseus in die Unterwelt. Bedrohliche und aufgewühlte Klangwelten prägten das Geschehen. Ungewöhnliche Schlagwerkklänge wie der Einsatz von Eisenketten unterstrichen dabei die düstere Atmosphäre der Unterwelt.

Nach der Pause wechselte die Szenerie in die Gegenwart. Nigel Hess’ „New London Pictures“ zeichnete in drei Sätzen ein musikalisches Porträt der britischen Hauptstadt. Der erste Satz schilderte einen Spaziergang über die Millennium Bridge von der Tate Modern zur St Paul’s Cathedral. Bewegte Rhythmen prägten den Weg, bevor die Glocken der Kathedrale durch Röhrenglocken, begleitet von einem Blechchoral, erklangen. Der ruhige zweite Satz zeichnete eine Fahrt im London Eye musikalisch nach. Weite Klangflächen, melodische Linien und Solopassagen vermittelten den Blick über die weitläufige und vielfältige Metropole. Ganz anders präsentierte sich der dritte Satz: Pfeifen und Hupen kündigten das Verkehrschaos an, und sogar ein echter Verkehrspolizist mischte sich in das musikalische Geschehen ein. Wechselnde Ampelphasen, hektischer Stop-and-go-Verkehr und ständig neue Impulse sorgten für eine rasante, energiegeladene und zugleich humorvolle Klangszene.

Zum Abschluss ging es schließlich auf die Kinoleinwand. „Nobody Does It Better Than James Bond“ vereinte bekannte Titel aus zahlreichen Bond-Filmen – von „Thunderball“ und „From Russia with Love“ bis zu „GoldenEye“ und „For Your Eyes Only“. Die charakteristische Filmmusik wurde dabei in die Klangwelt des sinfonischen Blasorchesters übertragen. E-Gitarre und E-Bass erweiterten den Orchesterklang um markante Rock- und Popfarben und sorgten für einen wirkungsvollen Abschluss des Konzertabends.

Ein Mann dirigiert ein Blasorchester. Auf dem Bild sind vor allem die Klarinettistinnen und Klarinettisten zu sehen.

Das abwechslungsreiche Programm zeigte eindrucksvoll die klangliche und stilistische Bandbreite des Nordbayerischen Jugendblasorchesters. Die Spielfreude und der Enthusiasmus des Ensembles übertrugen sich unmittelbar auf das Publikum. Beide Konzerte endeten mit Standing Ovations und bildeten damit einen gelungenen Abschluss der intensiven Sommerarbeitsphase.

Wer das Nordbayerische Jugendblasorchester selbst einmal live erleben möchte, hat bei den kommenden Konzerten Gelegenheit dazu. Gleichzeitig freut sich das NBJBO über motivierte junge Musikerinnen und Musiker zwischen 14 und 27 Jahren, die Teil des Orchesters werden möchten. Informationen zur Bewerbung, kommenden Projekten und weiteren Aktivitäten gibt es im Kurs-Finder, auf nbmb.de und nbjbo.de sowie über die Social-Media-Kanäle @nbjbo.

Vor einem Blasorchester auf einer Bühne stehen zwei Männer und eine Frau, die in ein Mikrofon sprechen.
In einem Blasorchester musizieren auch ein E-Gitarrist und ein E-Bassist.
Nahaufnahme des Trompeten- und Posaunensatzes eines Blasorchesters auf einer Bühne.
Eine Harfenistin und ein Pianist musizieren auf einer Bühne mit einem Blasorchester.
Ein großes Blasorchester musiziert in schwarzer schicker Kleidung auf einer Bühne vor Publikum.